Die 9. Kunst und das Saxofon

Hand aufs Herz – wer wusste vor dem Lesen dieses Beitrags, dass das Saxofon eine belgische Erfindung ist? Aber genauso ist es, denn im Jahr 1840 erfand ein gewisser Adolphe Sax aus Dinant in den belgischen Ardennen das Saxofon und ließ es am 21. März 1846 in Frankreich patentieren. Er begründete seine Erfindung mit dem Fehlen gut klingender Holzblasinstrumente. Ursprünglich wurde es als Instrument für Sinfonieorchester und Militärmusik konzipiert, wo es sich jedoch nie wirklich durchsetzen konnte. Erst lange Zeit nach seiner Erfindung, im frühen 20. Jahrhundert, begann mit dem Aufkommen des Jazz in New Orleans der eigentliche Siegeszug des Saxofons. Heutzutage ist das Saxofon aus zahlreichen Genres nicht mehr wegzudenken.

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Die Musikszene

Eine Größe der belgischen Musikszene ist Jacques Brel, der als einer der einflussreichsten Interpreten des französischen Chansons angesehen wird. Seine größten Hits waren Amsterdam und Ne me quitte pas. Weitere bedeutende belgische Musiker sind Toots Thielemans (Jazz), Technotronic (Dance, Pump up the Jam), Stromae (New Beat, Alors on danse), Milow (Pop, Ayo Technology) und dEUS (Rock, Suds & Soda).

Der Boom der Musikfestivals

Eine herausragende Besonderheit der belgischen Musikszene ist die Fülle an hochqualitativen und zahlreich besuchten Musikfestivals. Das Tomorrowland Techno Festival in Boom ist mit 400.000 Besuchern an 2 Wochenenden eines der meistbesuchten Festivals der Welt. Die Tickets sind innerhalb weniger Minuten ausverkauft und die Besucher reisen aus der ganzen Welt an. Internationale Bekanntheit hat weiterhin Rock Werchter, mit ca. 350.000 Besuchern an 4 Tagen. Rock Werchter konnte bereits sechs Mal den Arthur Award als bestes Musikfestival der Welt gewinnen. Renommiert sind außerdem Pukkelpop in Kiewit (Rock, ca. 180.000 Besucher an 3 Tagen), das Dour Festival (alternative, weniger kommerzielle Musikgenres, ca. 225.000 Besucher an 5 Tagen), Graspop (Heavy Metal, ca. 150.000 Besucher an 4 Tagen), Gentse Feesten (kostenlos, 2 Millionen Besucher an 10 Tagen in der gesamten Genter Innenstadt, wird seit 1846 organisiert) und die Francofolies de Spa (ausschließlich französische Musik diverser Genres, ca. 170.000 Besucher an 4 Tagen).

Belgische Künstler und Schriftsteller

Berühmte belgische Maler sind Jan van Eyck (altniederländische Malerei, 15. Jahrhundert), Pieter Bruegel (niederländische Renaissance, 16. Jahrhundert) und Peter Paul Rubens (barocke Malerei, 17. Jahrhundert). Aus der jüngeren Vergangenheit sind vor allem James Ensor (Symbolismus, 19. & 20. Jahrhundert), Constant Permeke (Expressionismus, 20. Jahrhundert), René Magritte (Surrealismus, 20. Jahrhundert, Ceci n’est pas une pipe) und Paul Delvaux (Surrealismus, 20. Jahrhundert) bekannt. Außerdem Victor Horta, einem bekannten Jugendstil-Architekt, dem für seine Verdienste 1932 den Titel Baron verliehen wurde.

Der bekannteste belgische Schriftsteller ist Georges Simenon, der für seine Kriminalromane über den berühmten Kommissar Maigret internationale Berühmtheit erlangte. Große Bedeutung hatte weiterhin Maurice Maeterlinck, der 1911 für seine Werke den Literaturnobelpreis gewann.

Bildquellen:

- Tomorrowland, By Anosov1505 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49427266

- Jacques Brel, Joop van Bilsen, Nationaal Archief, Den Haag, Rijksfotoarchief: Fotocollectie Algemeen Nederlands Fotopersbureau (ANEFO), 1945-1989 - negatiefstroken zwart/wit, nummer toegang 2.24.01.05, bestanddeelnummer 914-8398, CC0, via Wikimedia Commons

- René Magritte, By http://www.masters-of-photography.com/W/wolleh/wolleh_magritte_full.html, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=20333559

Aber weltweites Renommee erlangten vor allem belgische Comicillustratoren. Comics haben in Belgien (und Frankreich) eine sehr lange Tradition und seine Protagonisten (und Zeichner) erreichen dort durchaus Kultstatus. Deswegen ist der Comic als eigenständige Kunstform unter der Bezeichnung 9. Kunst anerkannt. Der Begriff frankobelgischer Comic ist eine Sammelbezeichnung für Comics, die im französischsprachigen Europa erstveröffentlicht wurden. Besonders in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg waren frankobelgische Comics qualitativ dominierend und bis in die 1970er Jahre galt diese Bezeichnung als Synonym für den europäischen Comic.

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Die bekanntesten belgischen Comics sind:

Tim und Struppi (Les aventures de Tintin) von Georges Remi Prosper, alias Hergé. Sie ist nicht nur eine der bekanntesten, sondern auch bedeutendsten europäischen Comicserien. Sie sind im Stil der Ligne claire (klare Linie) gezeichnet und erzählen die Abenteuer des belgischen Reporters Tim und seines treuen, vierbeinigen Begleiters Struppi. Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, wurde die Comicfigur 1929. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden 24 Bände. Ein 25. Band konnte nicht rechtzeitig vor Hergés Tod fertiggestellt werden. In Deutschland wird die Serie seit 1967 vom Carlsen Verlag herausgegeben. Das Hergé Museum in Louvain-la-Neuve ist ein echtes Highlight für Comicfans.

Bildquelle:

- Hergé Museum Louvain-la-Neuve, Peripatetic, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Lucky Luke von Georges de Bevere, alias Morris. Lucky Luke ist nach Asterix & Obelix die zweitmeistverkaufte Comicserie in Deutschland und der erfolgreichste Western-Comic der Welt. Zu seiner Popularität haben Kinofilme, Zeichentrickserien und Merchandising beigetragen. Die Serie erzählt die Abenteuer des Cowboys Lucky Luke und seines Pferdes Jolly Jumper. Seit 1977 erscheinen die Lucky Luke Comics beim Egmont Verlag.

Bildquelle: Jmh2o, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Die Schlümpfe (Les Schtroumpfs) von Pierre Culliford, alias Peyo. Seit 1959 wird die Comicserie über die blauen, koboldartigen Figuren herausgebracht, in Deutschland über den Carlsen Verlag. Den endgültigen Durchbruch erlangten die Schlümpfe mit der in den USA produzierten und global vermarkteten TV-Zeichentrickserie. Noch 2013 wurden 25 Millionen Comic-Alben verkauft.

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Spirou & Fantasio von André Franquin (und anderen) gehört zu den erfolgreichsten humoristischen Abenteuer-Comics in Europa. Hauptprotagonisten der Serie sind Spirou der Hotelpage und sein bester Freund Fantasio. Die Serie wurde bis heute unter der Führung des belgischen Dupuis Verlags von diversen Zeichnern und Autoren fortgeführt. Der 2018 erschienene Band spielt in Berlin und wurde vom deutschen Zeichner Blix auf Papier gebracht (Spirou in Berlin).

Bildquelle: Jmh2o, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Gaston (Gaston Lagaffe) von André Franquin wurde von 1957 bis zu Franquins Tod 1997 gezeichnet. Gaston ist ein Bürobote in einer Verlagsredaktion und fällt durch seine ausgefallenen, meist missglückten Basteleien und durch seine Faulheit auf. Er ist ein liebenswerter Chaot und verkanntes Genie. Erscheint seit 1981 im Carlsen Verlag.

Bildquelle: EmDee, CC BY 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/4.0>, via Wikimedia Commons

Das Marsupilami von André Franquin ist ein Phantasiewesen, das ursprünglich in Franquin’s Spirou & Fantasio auftauchte und später eine eigene Reihe erhielt. Die Serie wird in Deutschland vom Carlsen Verlag veröffentlicht.

Bildquelle: Photograph: Stefflater / Mural: André Franquin, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.

Blake und Mortimer von Edgar P. Jacobs gilt als weiteres Meisterwerk der sogenannten Ligne Claire. Dieser Comic richtet sich vor allem an (junge) Erwachsene und erzählt die Missionen des walisischen MI5 Geheimagenten Blake und des schottischen Atomwissenschaftlers Mortimer. Insgesamt sind 27 Alben veröffentlicht worden, in Deutschland beim Carlsen Verlag.

Bildquelle: Ferran Cornellà, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Yoko Tsuno von Roger Leloup ist eine seit 1970 erschienene Comicserie. Die Heldin der Serie ist Yoko Tsuno, eine junge Elektronikspezialistin aus Japan. Sie beherrscht eine japanische Kampfkunst und setzt sich mutig gegen das Verbrechen ein. Ein wesentliches Merkmal der Serie ist die aufwändige Darstellung technischer Details. Das betrifft sowohl reale Gegenstände wie Fahrzeuge oder technische Geräte als auch fiktive Objekte, von denen sich Leloup reale Modelle anfertigte, um eine schlüssige Wiedergabe aus jeder Perspektive zu gewährleisten. Reale Schauplätze zeichnet Leloup mit fotografischer Präzision und Detailtreue. Deutschland und seine historische Architektur finden sich öfter, beispielsweise der Rhein und die Burg Katz, die Altstadt von Rothenburg o.d.T., die Wuppertaler Schwebebahn, die Burg Eltz und die Burg Pfalzgrafenstein. Insgesamt sind 29 Alben entstanden.

Bildquelle: The RedBurn, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Thorgal von Jean van Hamme, eine Serie über einen Wikingerhelden aus dem 7. Jahrhundert. In Deutschland beim Carlsen Verlag (bis Band 31) und Splitter Verlag (ab Band 32) erschienen.

Bildquelle: Stefflater, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Buck Danny (Les aventures de Buck Danny) von Jean-Michel Charlier und Victor Hubinon ist eine an Erwachsene gerichtete Serie über die drei US Air Force Piloten Buck Danny, Mike Tumbler und Sonny Tuckson. Erschienen bei Salleck Publications.

Bildquelle: Jmh2o, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

XIII von Jean Van Hamme und William Vance

Bildquelle: Stefflater, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Leutnant Blueberry von Jean-Michel Charlier und Jean Giraud

Bildquelle: Egmont-Ehapa Media

Percy Pickwick von Raymond Macherot

Alix von Jacques Martin, der bekanntesten in der Antike spielenden Comicserie über den gallischen Häuptlingssohn und römischen Sklaven Alix Graccus. Der Comic richtet sich vor allem an (junge) Erwachsene und ist sehr textlastig.

Benni Bärenstark (Benoît Brisefer) und Johann und Pfiffikus (Johan et Pirlouit) von Pierre Culliford, alias Peyo. Die Schlümpfe erschienen erstmals in einem Johann und Pfiffikus Album und erhielten anschließend eine eigene Reihe.

Cubitus von Dupa. Namensgebend ist die Hauptfigur, ein dicker, wuscheliger, weißer Hund, dessen herausragende Eigenschaften Intelligenz und Faulheit sind. Erschienen beim Carlsen Verlag.

Suske und Wiske von Willy Vandersteen, einer vor allem im niederländischen Sprachraum populären Serie.

Boule & Bill von Jean Roba

Jeff Jourdan (Gil Jourdan) von Maurice Tillieux